Neue Studien: Magnesium und Herzgesundheit

 

Magnesium (Mg) ist das zweithäufigste Element in menschlichen Zellen und das vierthäufigste positiv geladene Ion im menschlichen Körper. Es ist von zentraler Bedeutung für eine breite Vielfalt physiologischer Prozesse, einschließlich intrazellulärer Signalgebung, neuronaler Erregbarkeit, Muskelkontraktion, Knochenbildung und Enzymaktivierung. Seine Gesamt-Homöostase wird durch konzertierte Aktionen des Darms, der Knochen und Nieren streng reguliert. Störungen dieser Balance können ernste Konsequenzen haben. Zu den Symptomen einer Hypomagnesiämie gehören u.a. Tetanie, Anfälle und Herzrhythmusstörungen.

 

Medikamente können die Mg-Homöostase auf verschiedene Weise stören. Protonenpumpen-inhibitoren (PPI) werden mit Hypomagnesiämie assoziiert, und bei Patienten, die diese langfristig verwenden, wurde ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko beobachtet (1).

 

Es scheint daher notwendig zu sein, die Mg-Werte zu Beginn der PPI-Therapie zu bestimmen, und sie besonders auch bei Personen zu überwachen, die noch andere Medikamente einnehmen, die ebenfalls eine Hypomagnesiämie induzieren können (z. B. Diuretika, Digoxin). Auch Senioren, Diabetiker, Patienten mit Nierenversagen und kardiovaskulären Erkrankungen könnten von regelmäßigen Bestimmungen der Mg-Spiegel profitieren. Patienten, die PPI nutzen, haben ferner ein höheres Risiko für Knochenbrüche, obwohl trotz dieser Assoziation nicht auf eine Kausalität geschlossen werden kann (2).

 

Norwegische Forscher präsentieren den Fallbericht einer 40-jährigen Patientin mit Torsade de pointes (ventrikulärer Tachykardie) und Herzstillstand, hervorgerufen durch eine schwere Hypomagnesiämie als Nebenwirkung des PPIs Omeprazol. Denn PPI beeinträchtigen die intestinale Mg-Aufnahme. Eine starke Hypomagnesiämie kann also lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmien verursachen. Hypomagnesiämien können jedoch ebenfalls durch ein breites Spektrum an Krankheiten (z. B. gastrointestinale Störungen, Nierenerkankungen oder endokrine Störungen) verursacht werden (3).

 

Bei Bevölkerungen, die moderne verarbeitete Nahrungsmittel konsumieren, ist die Mg-Zufuhr gering, was mit chronischen Leiden wie kardiovaskulären Krankheiten, Typ-2 Diabetes, metabolischem Syndrom und Erkrankungen des Knochengerüstes assoziiert wird. Mg ist ein Cofaktor für die Biosynthese, den Transport und die Aktivierung von Vitamin D. Die genannten Krankheiten sind daher in der Regel auch mit einem niedrigen Vitamin D-Status verbunden. Derzeit gibt es leider keinen einfachen, verlässlichen Biomarker, der den Mg-Status des gesamten Körpers abbildet (4).

 

Fettgewebe gilt als endokrines Organ, das die exzessive Produktion reaktiver Sauerstoffspezies begünstigt, was die Lipidperoxidation fördert und damit die Entwicklung und Progression vieler Erkrankungen wie z. B. Arteriosklerose, Diabetes mellitus. Mg-Mangel verstärkt die Entstehung von oxidativem Stress bei adipösen Personen. Das Mineral spielt eine Rolle als Antioxidans, ist Cofaktor mehrerer Enzyme, hält die Zellmembranstabilität aufrecht und lindert die Effekte von oxidativem Stress. Studien zeigen, dass adipöse Personen niedrige Serum-Mg-Konzentrationen aufweisen, sowie hohe Werte an oxidativen Stressmarkern (5).

 

In einer brasilianischen Studie mit insgesamt 83 Frauen, von denen 31 adipös waren, war die durchschnittliche Konzentration an Plasma-TBARS (TBARS: Thiobarbitursäure-reaktive Substanzen), ein Biomarker für die Lipidperoxidation und somit für oxidativen Stress, höher als in der Kontrollgruppe (n = 52). Es bestand zudem eine negative Korrelation zwischen dem Mg-Gehalt in den Erythrozyten und den Plasma-TBARS, was ebenfalls auf einen Einfluss des Mg-Status auf oxidative Stress-Parameter bei adipösen Frauen schliessen lässt (6).

 

Die Ergebnisse einer mexikanischen Studie deuten darauf hin, dass Serum-Mg-Spiegel unter 1,8 mg/dL signifikant mit grenzwertigem Blutdruck und Hypertonie, bei augenscheinlich gesunden Kindern, verbunden sind (7).

 

In neueren Studien waren niedrige Serum-Mg-Spiegel mit Entzündungen und Regulationsstörungen des vaskulären Tonus sowie der endothelialen Funktion verknüpft. Diese Mechanismen sollen zur Entwicklung und Progression von Arteriosklerose beitragen, die möglicherweise koronare Herzerkrankungen verschlechtern. Mg ist wichtig für die elektrische Stabilität und Energiebalance der Herzmuskelzellen. Eine Hypomagnesiämie wird daher auch mit atrialen und ventrikulären Arrhythmien assoziiert, und niedrige Serum-Mg-Spiegel könnten deshalb ebenfalls ein Risikofaktor für den plötzlichen Herztod (SCD) sein. Die prospektive populationsbasierte Rotterdam-Studie weist gleichfalls darauf hin, dass niedrige Serum-Mg-Spiegel mit einem erhöhten Risiko verknüpft sind, an einer CHD zu sterben. Obwohl niedrige Mg-Level auch mit der Intima-Media-Dicke der Karotiden und der Herzfrequenz assoziiert waren, erklärt dies nicht den Zusammenhang zwischen den Serum-Mg-Werten und der CHD-Mortalität sowie dem SCD. Zukünftige Studien sollen aufdecken, warum dies so ist und ob eine Intervention tatsächlich diese Risiken vermindert. Denn ein Anstieg der Serum-Mg-Level um 0.1 mmol/L war zumindest mit einem geringeren CHD-Mortalitätsrisiko assoziiert (8).

 

Eine chinesische Meta-Analyse aus 10 Studien mit insgesamt 77.821 Patienten, die unter koronaren Herzerkrankungen (CHD) litten, zeigt eine signifikante inverse Assoziation zwischen den Mg-Konzentrationen im Trinkwasser und der CHD-Mortalität. Unter den 10 Studien waren 9 europäische Arbeiten (9).

 

Laut einer türkischen Studie mit 111 Patienten, die sich wegen eines ST-Hebungsinfarktes, kurz STEMI (Myokardinfarkt, bei dem es im EKG zu sichtbaren ST-Hebungen kommt) einer primären perkutanen koronaren Intervention unterzogen haben, ist der Serum-Mg-Level ein unabhängiger Parameter zur Vorhersage des elektrokardiographischen No-Reflows und der Langzeit-Mortalität bei Patienten mit STEMI (10). Das No-Reflow-Phänomen ist eine irreversible Stase im Bereich der Mikrozirkulation bei Unterbrechung der Blutzufuhr über eine kritische Zeitdauer hinaus.

 

Mg ist als essenzielles intrazelluläres Kation in Prozesse involviert, die die kardivaskuläre Funktion regulieren. In einer finnischen Studie mit 2.181 Männern mittleren Alters zeigte sich, dass die Serum-Mg-Werte kontinuierlich, invers und unabhängig von anderen Risikofaktoren, mit dem Risiko eines Herzversagens assoziiert waren (11).

 

Chronische Nierenerkrankungen sind weltweit weitverbreitet und werden mit bedeutender kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität verknüpft. Eine Hypomagnesiämie scheint die kardiovaskuläre und renale Prognose negativ zu beeinflussen. Die Aufrechterhaltung normaler Mg-Werte könnte daher vermutlich einen Schutz bieten (12).

 

Epidemiologische Studien deuteten bereits auf einen protektiven Effekt einer Mg-Supplementation auf das kardiovaskuläre Erkrankungsrisiko hin. In einer niederländischen randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Interventionsstudie mit 52 übergewichtigen und leicht adipösen Probanden (30 Männer und 22 postmenopausale Frauen im Durchschnittsalter von 62 Jahren), die über einen Zeitraum von 24 Wochen entweder dreimal täglich Mg (117 mg oder 350 mg/d) oder ein Placebo erhielten, konnte durch die tägliche Einnahme von 350 mg Mg über 24 Wochen, die arterielle Gefäßsteifigkeit reduziert werden, was sich durch eine Abnahme der Pulswellengeschwindigkeit zeigte (13).

 

Eine Meta-Analyse aus 34 randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studien mit insgesamt 2.028 normo- und hypertensiven Erwachsenen weist darauf hin, dass Mg den Blutdruck senken kann. Die Mg-Supplementierung von durchschnittlich 368 mg/d über einen medianen Zeitraum von 3 Monaten verringerte den systolischen Blutdruck signifikant um 2.00 mm HG und den diastolichen Blutdruck um 1.78 mm HG. Diese Senkungen wurden im Vergleich zu Placebo von einem Anstieg der Serum-Mg-Werte um 0.05 mmol/L begleitet. Die Forscher fanden heraus, dass eine Mg-Zufuhr von 300 mg/d über einen Zeitraum von einem Monat ausreichend ist, um die Serumspiegel zu erhöhen und den Blutdruck zu senken. Eine tendenziell stärkere Abnahme des Blutdrucks wurde in qualitativ hochwertigen Studien oder in solchen mit geringer Abbruchrate gefunden, was auf einen kausalen Effekt hindeutet (14).

 

Laut einer italienischen Arbeit scheinen die antihypertensiven Effekte von Mg, das gut toleriert wird, dosisabhängig zu sein (15).

 

Sogar das CVD-Mortalitätsrisiko konnte bei Frauen und in der US-Bevölkerung durch eine vermehrte Mg-Einnahme von jeweils 100 mg/d um 24 bis 25 Prozent reduziert werden, so eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse schwedischer, chinesischer und norwegischer Forscher aus 8 prospektiven Studien mit insgesamt 449.748 männlichen und weiblichen Teilnehmern (16).

 

Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus 8 Studien mit 3.487 Personen (mit und ohne metabolischem Syndrom) hat ergeben, dass eine höhere Mg-Zufuhr mit einem geringeren Risiko verbunden ist, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln, das als kardiovaskulärer Risikofaktor gilt (17).

 

Fazit: Die aufgeführten Arbeiten offenbaren die immense Bedeutung eines ausgeglichenen Magnesiumhaushaltes, besonders in Bezug auf die Herzgesundheit. Daher sollten die Mg-Konzentrationen häufiger bestimmt werden und Mängel schnellstmöglich durch die Einnahme von Magnesium (z. B. in Form von Magnetrans® Arzneimitteln) behoben werden.

 

Weitere Informationen unter www.stadavita.de

Verfasserin: Heike Lück-Knobloch, Heilpraktikerin / Medizinjournalistin, 40885 Ratingen

 

Literatur:

 

(1) Pisani, LF.; Filippi, E.; Vavassori, S.; et. al.: Effect of proton pump inhibitors on magnesium balance: Is there a link to cardiovascular risk? Magnes. Res. 2016 Mar 1;29(1):1-10.

 

(2) De la Coba Ortiz, C.; Arguelles Arias, F.; Martin de Argila de Prados, C.; et. al.: Proton-pump inhibitors adverse effects: A review of the evidence and position statement by the Sociedad Española de Patologia Digestiva. Rev Esp Enferm Dig. 2016 Apr;108(4):207-24.

 

(3) Hansen, BA.; Bruserud, O.: Hypomagnesemia as a potentially life-threatening adverse effect of omeprazole. Oxf Med Case Reports. 2016 Jul 27;2016(7):147-9.

 

(4) Rosanoff, A.; Dai, Q.; Shapses, SA.: Essential nutrient interactions: Does low or suboptimal magnesium status interact with vitamin D and/or calcium status? Adv Nutr. 2016 Jan 15;7(1):25-43.

 

(5) Morais, JB.; Severo, JS.; de Oliveira, AR.; et. al.: Magnesium status and its association with oxidative stress in obese women. Biol Trace Elem Res. 2016 Jul 12.

 

(6) Morais, JB.; Severo, JS.; Santos, LR.; et. al.: Role of magnesium in oxidative stress in individuals with obesity. Biol Trace Elem Res. 2016 Jul 22. Doi: 10.1007/s12011-016-0793-1.

 

(7) Guerrero-Romero, F.; Rodriguez-Moran, M.; Hernandez-Ronquillo, G.; et. al.: Low serum magnesium levels and its association with high blood pressure in children. J Pediatr. 2016 Jan;168:93-98.

 

(8) Kieboom, BC.; Niemeijer, MN.; Leening, MJ.; et. al.: Serum magnesium and the risk of death from coronary heart disease and sudden cardiac death. J Am Heart Assoc. 2016 Jan 22;5(1).

 

(9) Jiang, L.; He, P.; Chen, J.; et. al.: Magnesium levels in drinking water and coronary heart disease mortality risk: A meta-analysis. Nutrients. 2016 Jan 2;8(1). doi: 10.3390/nu8010005.

 

(10) Yuksel, M.; Isik, T.; Tanboga, IH.; et al.: The importance of magnesium values in patients with STEMI admitted to the emergency department. Clin Appl Thromb Hemost. 2016 Jul 14. pii: 1076029616658119.

 

(11) Kunutsor, SK.; Khan, H.; Laukkanen, JA.: Serum magnesium and risk of new onset heart failure in men: The Kuopio ischemic heart disease study. Eur J Epidemiol. 2016 May 25. Doi: 10.1007/s10654-016-0164-4.

 

(12) Tran, TA.; Jaques, D.; Ponte, B.: Magnesium: The missing link between kidneys and vessels? Rev Med Suisse. 2016 Feb 24;12(507):404-7.

 

(13) Joris, PJ.; Plat, J.; Bakker, SJ.; et. al.: Long-term magnesium supplementation improves arterial stiffness in overweight and obese adults: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled intervention trial. Am J Clin Nutr. 2016 May;103(5):1260-6.

 

(14) Zhang, X.; et. al.: Effects of magnesium supplementation on blood pressure: A meta-analysis of randomized double-blind placebo-conrolled trials. Hypertension. 2016 Aug;68(2):324-33.

 

(15) Borghi, C.; Cicero, AF.: Nutraceuticals with clinically detectable blood pressure lowering effect: A review of available randomized clinical trials and their meta-analyses. Br J Clin Pharmacol. 2016 Feb 6. doi: 10.1111/bcp.12902.

 

(16) Fang, X.; Liang, C.; Li, M.; et. al.: Dose-response relationship between dietary magnesium intake and cardivascular mortality: A systematic review and dose-based meta-regression analysis of prospective studies. J Trace Elem Med Biol. 2016 Mar 29. doi: 10.1016/j. Jtemb.2016.03.014.

 

(17) Sarrafzadegan, N.; Khosravi-Boroujeni, H.; Lotfizadeh, M.; et. al.: Magnesium status and the metabolic syndrome: A systematic review and meta-analysis. Nutrition. 2016 Apr;32(4):409-17.