NEUE Studien zu Histaminintoleranz

Histamin-Intoleranz – Ein Update

 

Circa drei Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung leiden unter einer Histamin-Intoleranz, wobei das weibliche Geschlecht häufiger betroffen ist. Oft liegt gleichzeitig eine echte Allergie vor.

 

Ursachen der Histamin-Intoleranz

 

Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO)

Ein Defizit des Histamin-abbauenden Enzyms Diaminoxidase (DAO), das zu über 90 Prozent in den Epithelien des Darms produziert wird, kann genetische (primäre) und sekundäre Ursachen haben (besonders entzündliche oder degenerative Darmerkrankungen).

 

Übermäßige Histaminbelastung

Trotz normaler DAO-Aktivität können auch nach übermäßiger Histaminbelastung unmittelbar, teilweise aber auch zeitverzögert (bis zu 24 Stunden später) Symptome auftreten.

Das biogene Amin entsteht hauptsächlich durch Fermentationsprozesse, d. h. vor allem lang gereifte Produkte wie z. B. Käse, Sauerkraut und Wein enthalten reichlich hitze- und kältestabiles Histamin. Aber auch unzureichend gekühlte, proteinreiche Lebensmittel wie Fisch und Fleisch sind histaminreich.

 

Verminderte DAO-Aktivität

Außerdem können exogene Noxen wie Toxine und Alkohol, aber auch diverse pharmazeutische Substanzen wie Acetylcystein, Alprenolol, Ambroxol, Amitryptilin, Chinidin, Chloroquin, Cimetidin, Diazepam, Dihydralazin, Furosemid, Haloperidol, Isoniazid, Metamizol, Metoclopramid, Propafenon, Theophyllin oder Verapamil die Aktivität der DAO reduzieren.

 

Verzehr anderer biogener Amine

Andere biogene Amine wie Tyramin, Phenylethylamin und Serotonin, die sich beispielsweise in Bananen, Ananas, Papaya, Nüssen, Kakao und Schokolade finden, werden bevorzugt durch die DAO abgebaut, so dass ausreichend Kapazität für den Histaminabbau fehlt.

 

Konsum von Histaminliberatoren

Durch Histaminliberatoren (wie z. B. Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Tomaten, Meeresfrüchte, Alkohol und Glutamat) kann das im Organismus gespeicherte Histamin freigesetzt bzw. aktiviert werden.

 

Klinik

Da es in fast allen Organen Histaminrezeptoren gibt, können die Beschwerden sehr unterschiedlich sein. Zu den Leitsymptomen zählen Flush, Diarrhö, Übelkeit, Kopfschmerzen, Hitzegefühl und Atemnot. Ebenfalls darauf hindeuten, können Exantheme, Rhinitis, Urtikaria, Colitis oder Asthma-ähnliche Beschwerden.

 

Diagnose und Therapie

 

Die Diagnose einer Histamin-Intoleranz ist schwierig.

Bei einer Vermutung ist es empfehlenswert, wenn der Patient zunächst über eine gewisse Zeit ein Tagebuch führt, in dem er genau aufschreibt, welche Nahrungsmittel konsumiert werden und welche Beschwerden sich zeigen. Geht der Verzehr bestimmter Lebensmittel mit Beschwerden einher, sollte auf diese mindestens 4 Wochen lang verzichtet werden.

 

Durch die bewußte Aufnahme stark histaminhaltiger Nahrungsmittel (sog. Provokationstest) unter therapeutischer Aufsicht wird die Diagnose wahrscheinlicher.

 

Organische Ursachen wie gastrointestinale Erkrankungen, Urtikaria, neuroendokrine Tumore und Allergien sollten zugleich ausgeschlossen werden.

 

Studien

 

In einer italienischen Studie wiesen 10 von 14 Patienten eine Serum-DAO-Aktivität von < 10 U/ml auf. Eine Unterschreitung dieses Schwellenwertes macht das Vorliegen einer Histamin-Intoleranz wahrscheinlich. Außerdem berichteten 13 von 14 Patienten subjektiv über den Nutzen einer DAO-Supplementierung in Bezug auf mindestens eine der angegebenen Beschwerden. Die Studienautoren schlussfolgern daraus, dass bei Patienten mit Symptomen, die durch histaminreiche Lebensmittel getriggert werden, die Bestimmung der Serum-DAO-Aktivität helfen kann, Personen zu identifizieren, bei denen eine histaminlimitierte Diät und/oder die Einnahme von DAO hilfreich sein kann (1).

 

Gemäß slowakischer Forscher kann die korrekte Diagnose der Histamin-Intoleranz, gefolgt von einer Therapie, die auf einer histaminfreien Ernährung und der Einnahme des Enyzms DAO beruht, die Lebensqualität der Patienten verbessern (2).

 

DAO ist z. B. in Daosin® enthalten, einem diätetischen Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (ergänzende bilanzierte Diät).

 

Zur symptomatischen Behandlung der Histamin-Intoleranz können gegebenenfalls H1-Antihistaminika eingesetzt werden.

 

Weitere Informationen unter www.alles-essen.de

Verfasserin: Heike Lück-Knobloch

Heilpraktikerin / Medizinjournalistin

Am Pohlacker 19, 40885 Ratingen

e-Mail: Heike_lueck@gmx.de

www.lueck-knobloch.de

 

Literatur:

(1) Manzotti, G.; Breda, D.; Di Gioacchino, M.; et. al.: Serum diamine oxidase activity in patients with histamine intolerance. Int J Immunopathol Pharmacol. 2016 Mar;29(1):105-11.

 

(2) Kovacova-Hanuskova, E.; Buday, T.; Gavliakova, S.; et. al.: Histamine, histamine intoxication and intolerance. Allergol Immunopathol (Madr). 2015 Sep-Oct;43(5):498-506.

 

weitere Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63920

 

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/themenuebersicht/medizin/histaminunvertraeglichkeit-histaminintoleranz-histamin-ernaehrung-symptome100.html

 

http://www.mri.tum.de/system/files/medizinische_einrichtungen/Histaminintoleranz%20Maerz%202016.pdf

 

http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/allergo-Journal-Histamin-final.pdf: Die Leitlinie „Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin“ vom 23. Juni 2011 wird derzeit überprüft.