Coriolus versicolor-Foto © zhudifengistock – getty images - Telegramm919
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Extrakte oder Pilzpulver? (1)
In Extrakten sind die eigentlich wirksamen Substanzen (Polysaccharide/β-Glucane) circa 20-fach konzentriert. Nahezu alle hochwertigen Studien wurden mit Pilzextrakten durchgeführt. Im getrockneten Pilzpulver aus dem ganzen Fruchtkörper ist der Anteil dieser Substanzen dagegen in nicht konzentrierter Form, sondern in deren natürlicher Höhe vorhanden. Dafür findet sich darin das gesamte Spektrum an Biovitalstoffen. Im Pilzpulver ist auch das Chitingerüst der Pilze enthalten, was evtl. zu Verdauungsproblemen und einer schlechteren Aufnahme der wirksamen Bestandteile führen könnte. Am besten scheint es daher zu sein, sich auf die Einnahme von Extrakten zu konzentrieren und diese evtl. mit getrocknetem Pilzpulver zu kombinieren, um die positiven Eigenschaften beider Rohstoffqualitäten zu nutzen.

 

Das Polysaccharopeptid des Coriolus versicolor als ein Immuntherapeutikum in China (2)
Der Coriolus versicolor (Schmetterlingstramete) ist einer der bekanntesten traditionellen Medizinalpilze, der in
China seit mehr als 2.000 Jahren genutzt wird. Das Polysaccharopeptid (PSP) wurde als wichtigster bioaktiver Bestandteil identifiziert, das aus dem Myzel oder der Fermentationsbrühe des Coriolus
gewonnen werden kann. Der Polysaccharidgehalt im PSP beträgt ca. 60 Prozent, während der Peptidgehalt bei ca. 10 bis 30 Prozent liegt. Die wichtigsten Monosaccharide im PSP sind Glukose, Mannose und eine geringe Menge an Galaktose, Xylose und Fukose. Das β-Glukan ist eine der identifizierten Komponenten im PSP mit nachgewiesener immunmodulierender Funktion. Das PSP wurde von der Behörde zugelassen und wird seit den 1970er Jahren in Japan und China klinisch eingesetzt. Es ist hilfreich, um die Überlebenszeit und Lebensqualität von Patienten mit Krebs- und Lebererkrankungen, Hyperlipidämien, chronischer Bronchitis und anderen komplexen Erkrankungen zu verbessern. Aktuelle Studien befürworten PSP als Immuntherapeutikum.
Das PSP aktiviert und steigert die Funktion und Gedächtnisleistung von Immunzellen, verstärkt die Phagozytose der Makrophagen, erhöht die Expressionen von Zytokinen und Chemokinen wie dem Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α), Interleukinen (IL-1 β und IL-6), Histamin und Prostaglandin E und stimuliert die Infiltration dendritischer und T-Zellen in den Tumor und lindert die Nebenwirkungen der Chemotherapie.

 

Bioaktive Bestandteile von Pilzen bei der Verzögerung der Neurodegeneration (3)
Forscher aus Singapur führten eine Querschnittsstudie mit 663 Teilnehmern im Alter von mindestens 60 Jahren durch und fanden heraus, dass Probanden, die mehr als zwei Pilzmahlzeiten pro Woche konsumierten, ein geringeres Risiko für leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) hatten, als die Personen, die weniger als einmal wöchentlich Pilze verzehrten. Diese Assoziation war unabhängig vom Alter, Geschlecht, Bildung, Zigaretten- und Alkoholkonsum, Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen, Schlaganfällen, körperlichen und sozialen Aktivitäten.

 

Das antioxidative Potenzial von Speise- und Medizinalpilzen (4)
Ungesunde Lebensmittel, Lebensstil, Umweltfaktoren, UV-Strahlung und andere Faktoren sind verantwortlich
für eine übermäßige Oxidation, die freie Radikale generiert und zu oxidativem Stress, Zellschäden und schließlich zu verschiedenen chronischen Erkrankungen führt. Speise- und Medizinalpilze enthalten große Mengen an Pilzsubstanzen, die antioxidative Eigenschaften besitzen und wichtige Rollen bei der Prävention und Behandlung dieser chronischen Erkrankungen spielen. Speise- und Medizinalpilze weisen eine starke Radikalfängerfähigkeit auf, sind in verschiedene Bioaktivitäten involviert und zeigen einen gesundheitsfördernden Nutzen. Enzymatische und nichtenzymatische antioxidative Bestandteile wie die Superoxiddismutase, Katalase, Glutathionperoxidase, Glutathionreduktase, Glutathion-S-Transferase,
Ascorbatperoxidase, Vitamin C, Vitamin E und Glutathion spielen wichtige Rollen bei der Neutralisierung von Sauerstoffspezies und schützen daher die Zellen vor Schäden.

 

Literatur
1) GfBK-Info Heilpilze, Stand 15.06.2018, Hrsg.
Gesellschaft für biologische Krebsabwehr in
Heidelberg
2) Dou H, Chang Y, Zhang L: Coriolus versicolor
polysaccharopeptide as an immunotherapeutic
in China. Prog Mol Biol Transl Sci.
2019;163:361-381
3) Feng L, Cheah I K-M, Ng, M M-X et al.: The
association between mushroom consumption
and mild cognitive impairment: A communitybased
cross-sectional study in Singapore. Journal
of Alzheimer's Disease Vol. 68, no. 1, pp.
197-203, 2019
4) Islam T, Ganesan K, Xu B: New insight into
mycochemical profiles and antioxidant potential
of edible and medicinal mushrooms: A review.
Int J Med Mushrooms. 2019;21(3):237-251


Heike Lück-Knobloch, heike_lueck@gmx.de

PM 9-2019