Zink und Depressionen – Ein Update

 

In Deutschland liegt die 12-Monats-Prävalenz einer schweren depressiven Störung bei männlichen Erwachsenen bei 4,2 Prozent und bei weiblichen Erwachsenen bei 9,9 Prozent. Die Zahlen basieren auf einem umfassenden und vollstandardisierten Interviewverfahren zur diagnostischen Klassifikation psychischer Störungen (CIDI) nach den Kriterien des diagnostischen und statistischen Manuals psychischer Störungen DSM-IV-TR (1). Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Depressionen häufig mit Entzündungen und einem Zinkdefizit verbunden sind. Ein Mangel an Zink schwächt das Immunsystem und begünstigt Entzündungen. Zink ist zudem ein wichtiges Antioxidans, denn oxidativer Stress scheint auch an der Entstehung und Entwicklung der Krankheit beteiligt zu sein.

 

Depressionen sind komplexe Erkrankungen, bei denen mehrere biologische Vorgänge eine Rolle spielen. Neuroinflammation könnte einer davon sein. Eine vermehrte Dichte des Translokatorproteins TSPO in bestimmten Hirnregionen gilt als Marker dafür. Die Aktivierung des Immunsystems ist verbunden mit gedrückter Stimmung, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust sowie eingeschränkter oder fehlender Fähigkeit, Freude, Lust und Genuss zu empfinden (Anhedonie), also typischen Symptomen schwerer depressiver Episoden (MDE: Major depressive episodes), in denen häufig auch periphere Entzündungsmarker erhöht sind. Kanadische Wissenschaftler bestimmten mittels Positronen-Emissions-Topografie (PET) in einer Fall-Kontrollstudie mit 20 Patienten, die unter MDE litten und 20 gesunden Kontrollpersonen, die Aktivität der sogenannten Mikroglia, Zellen, die im Gehirn als Immunzellen die Aufgabe von Makrophagen übernehmen. Die TSPO-Dichte ist bei aktivierter Mikroglia erhöht. Bei den Teilnehmern mit MDE war sie in den untersuchten Hirnregionen, im Vergleich zu den Gesunden, um circa 30 Prozent angestiegen. Zudem korrelierte eine höhere TSPO-Dichte im anterioren cingulären Cortex mit schwereren Depressionen (2).

 

Die Ergebnisse einer länderübergreifenden Studie weisen ebenfalls darauf hin, dass Entzündungen und zwar besonders die Neuroinflammation, vermutlich eine Schlüsselrolle bei Depressionen und Suizidalität spielen (3).

 

Dass sich Entzündungen und damit auch Depressionen über die Ernährung positiv beeinflussen lassen, zeigt eine weitere Arbeit. Frauen mit einer überwiegend antiinflammatorischen Ernährungsweise, haben ein um circa 20 Prozent geringes Risiko Depressionen zu entwickeln, als Frauen, die hauptsächlich pro-inflammatorische Nahrungsmittel konsumieren (4).

 

Schwere depressive Störungen kommen häufig gemeinsam mit vielen altersassoziierten Erkrankungen wie Diabetes mellitus, kardiovaskulären Krankheiten und Immundysregulation mit Entzündungen vor. Oxidativer/nitrosativer Stress spielt eine fundamentale Rolle sowohl beim Alterungsprozess, als auch in der Pathogenese neurodegenerativer/psychiatrischer Erkrankungen einschließlich schwerer depressiver Störungen (MDD). Es gibt Evidenz für eine signifikante Assoziation zwischen MDD und Veränderungen in molekularen Mechanismen, die in Alterungsprozesse involviert sind, wie Telomerlänge, enzymatische antioxidative Aktivitäten (Superoxiddismutase (SOD), Katalase (CAT), Glutathionperoxidase (GPx), Glutathion (GSH), Lipidperoxidation (Malondialdehyd (MDA)), Nuklearfaktor kB sowie inflammatorische Zytokine. Schwere Depressionen sind ebenfalls gekennzeichnet durch signifikant geringere Konzentrationen an Antioxidantien (Zink, Coenzym Q10, Paraoxonase 1 (PON1)). Daher könnte die potentielle therapeutische Verwendung von Antioxidantien und Antiaging-Molekülen bei MDD vielversprechend sein (5).

 

Dies scheint vor allem für Zink zu gelten. Das essentielle Spurenelement beeinflusst u.a. Immunantworten und ist wesentlich für einen normalen Stoffwechsel. Ein Mangel an Zink schwächt die körpereigene Abwehr und erhöht das Risiko für Entzündungen (6).

 

Denn auch Schwangerschaft und Entbindung sind mit einer Aktivierung immunologisch-inflammatorischer Signalwege assoziiert, die die Entwicklung einer postnatalen Depression bei Gebärenden begünstigen. Am Ende der normalen Schwangerschaftszeit waren, verglichen mit Frauen, die nicht schwanger waren, die Zink- und Haptoglobinwerte signifikant geringer, während die CRP-Konzentration anstieg. Ängste und das prämenstruelle Syndrom (PMS) sind ebenfalls signifikant und invers mit niedrigen Zinkwerten verbunden. Bei geringen Zinkspiegeln und Depressionen, Angststörungen und dem PMS in der Vorgeschichte der Betroffenen, sind pränatale Depressionen absehbar. Bei pränatalen Depressionen sowie Fatigue, Rücken-, Muskelschmerzen, Dyspepsie und Obstipation in der Anamnese, in Verbindung mit reduzierten Zink- und erhöhten CRP-Werten, ist wiederum die Wahrscheinlichkeit für postnatale depressive Symptome größer (7).

 

In einer polnischen Studie mit 129 Patienten mit bipolarer Störung vom Typ 1 (n = 69) und Typ II (n = 60) befanden sich 58 in einer depressiven Episode, 23 in einer manischen Episode und 48 in Remission. 50 gesunde Freiwillige bildeten die Kontrollgruppe. Es zeigte sich, dass die Serum-Zinkwerte bei depressiven Patienten mit bipolarer Störung vom Typ I und bei Depressiven, die sich im letzten Stadium bipolarer Störungen befanden, vermindert waren. Die Bipolar-I-Störung ist gekennzeichnet von Phasen schwerer Depression und Manie, die Bipolar-II-Störung von Phasen schwerer Depression und Hypomanie (8).

 

In einer weiteren polnischen Studie mit 69 Patienten, die eine depressive Episode durchmachten, 45 Teilnehmern in Remission und 50 gesunden Kontrollpersonen wurden bei allen die Zinkwerte bestimmt. Diese waren während der depressiven Phase statistisch signifikant geringer, als bei den Gesunden, während sie sich bei den Probanden in Remission, nicht signifikant von der Kontrollgruppe unterschieden. Bei den Studienteilnehmern in Remission ergaben sich aber signifikante Unterschiede bei den Zinkwerten in der Gruppe mit und ohne Vorliegen einer Arzneimittelresistenz während der vorausgegangenen depressiven Episode. Ferner fand man bei den Patienten in Remission eine Korrelation zwischen dem Zinkspiegel und der durchschnittlichen Anzahl depressiver Episoden im vergangenen Jahr. Die Serum-Zink-Konzentrationen waren jedoch nicht abhängig von atypischen Merkmalen der Depression, dem Vorliegen psychotischer Symptome oder melancholischer Syndrome, dem Alter des Patienten, dem Alter des Krankheitsbeginns, der Dauer der Erkrankung, der Anzahl an Episoden während der Lebenszeit, der Dauer der Episode/Remission und der Schwere der Depression. Die Studienresultate bestätigen den Zusammenhang zwischen einem Zinkdefizit in der depressiven Episode und stimmen mit dem Großteil früherer Studien überein. Die Ergebnisse deuten ebenfalls darauf hin, dass die Serum-Zink-Konzentration als ein potenzieller biologischer Marker der MDD betrachtet werden kann (9).

 

Suboptimale Zinkspiegel sollten stets normalisiert werden. Bei der Wahl des Zinkpräparates ist eine optimale Bioverfügbarkeit wichtig, die in Form von Zinkaspartat

(z. B. Unizink® 50 magenschonende Tabletten) gewährleistet ist.

 

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Verfasserin: Heike Lück-Knobloch, Heilpraktikerin / Medizinjournalistin

 

Literatur:

(1) Maske, UE.; Buttery, AK.; Beesdo-Baum, K.; et. al.: Prevalence and correlates of DSM-IV-TR major depressive disorder, self-reported diagnosed depression and current depressive symptoms among adults in Germany. J Affect Disord. 2016 Jan 15;190:167-77.

 

(2) Setiawan, E.; Wilson, AA.; Mizrahi, R.; et. al.: Role of translocator protein density, a marker of neuroinflammation, in the brain during major depressive episodes. JAMA Psychiatry. 2015 Mar;72(3):268-75.

 

(3) Brundin, L., Sellgren, CM.; Lim, CK.; et. al.: An enzyme in the kynurenine pathway that governs vulnerability to suicidal behavior by regulating excitotoxicity and neuroinflammation. Translational Psychiatry (2016) 6, e865, publ. Online 2. August 2016.

 

(4) Shivappa, N.; Schoenaker, DA.; Hebert, JR.; et. al.: Association between inflammatory potential of diet and risk of depression in middle-aged women: The australian longitudinal study on women's health. Br J Nutr. 2016 Aug 8:1-10.

 

(5) Maurya, PK; Noto, C.; Rizzo, LB.; et. al.: The role of oxidative and nitrosative stress in accelerated aging and major depressive disorder. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2016 Feb 4;65:134-44.

 

(6) Maares, M.; Haase, H.: Zinc and immunity: An essential interrelation. Arch Biochem Biophys. 2016 Mar 26. doi: 10.1016/j.abb.2016.03.022.

 

(7) Roomruangwong, C.; Kanchanatawan, B.; Sirivichayakul, S.; et. al.: Lower serum zinc and higher CRP strongly predict prenatal depression and physio-somatic symptoms, which all together predict postnatal depressive symptoms. Mol Neurobiol. 2016 Feb 5, doi: 10.1007/s12035-016-9741-5.

 

(8) Siwek, M.; Sowa-Kucma, M.; Styczen, K.; et. al.: Decreased serum zinc concentration during depressive episode in patients with bipolar disorder. J Affect Disord. 2016 Jan 15;190:272-7.

 

(9) Styczen, K.; Sowa-Kucma, M.; Siwek, M.; et. al.: The serum zinc concentration as a potential biological marker in patients with major depressive disorder. Metab Brain Dis. 2016 Aug 8.